Wir werden oft gefragt, warum wir bei jedem Projekt zuerst die Open-Source-Optionen prüfen. Die Kurzfassung: Es geht nicht um Ideologie, sondern um Verantwortung gegenüber unseren Kunden. Hier die ausführliche Version.
Vendor-Lock-in ist die teuerste aller Entscheidungen
Jede Software-Wahl ist eine Festlegung. Manche Festlegungen lassen sich später günstig revidieren, andere kosten ein zweistelliges Beratertagessatzbudget — pro Monat, jahrelang. Proprietäre Plattformen mit eigenen Datenformaten, eigenen APIs und eigenen Lizenzmodellen sind die zweite Kategorie.
Wir sehen das im Alltag: Kunden, die ihr CRM-Schema nicht migrieren können, weil der Anbieter die Datenstruktur nicht herausgibt. Kunden, die jede Anpassung über zertifizierte Partner buchen müssen. Kunden, die für einen Datenexport ein zusätzliches Modul lizenzieren.
Wer seine eigenen Daten nicht ohne Vertragspartner exportieren kann, besitzt sie nicht. — Devaro IT, Grundsatz Nr. 1
Was Open Source konkret bedeutet
Wenn wir Open Source sagen, meinen wir: Quellcode öffentlich verfügbar, Lizenz erlaubt Anpassung und Weitergabe, das Projekt hat eine erkennbare Community oder Trägerschaft. Es bedeutet nicht automatisch kostenlos, und es bedeutet auch nicht, dass wir Risiken ausblenden.
Drei Plattformen, mit denen wir oft arbeiten
- ERPnext — vollständiges ERP/CRM-System unter GNU GPL v3. Reicht für viele KMU komplett aus, vor allem in Bereichen wie Buchhaltung, Lager und Projekte.
- TYPO3 — etabliertes Enterprise-CMS unter GPL v2+. Stark dort, wo Inhalte über mehrere Sprachen und Rollen verwaltet werden müssen.
- WordPress — am verbreitetsten, GPL v2. Gut für Blogs, Microsites und überschaubare Marketing-Websites; bei größeren Strukturen schwierig.
Wann wir nicht zu Open Source raten
Wir sind nicht dogmatisch. Es gibt Kontexte, in denen ein proprietäres Produkt sinnvoller ist:
- Wenn das Open-Source-Pendant keine vergleichbare Reife hat (z. B. spezialisierte Branchensoftware).
- Wenn die Total Cost of Ownership inklusive Eigenleistung höher liegt als die Lizenzgebühr.
- Wenn rechtliche Vorgaben einen zertifizierten kommerziellen Support verlangen.
- Wenn der Kunde bereits Personal hat, das mit einer konkreten proprietären Plattform fließend arbeitet.
Beispiel: ERPnext-Site-Setup
So sieht eine minimale Site-Konfiguration für eine ERPnext-Instanz aus, die wir in einem typischen Setup verwenden. Die Geheimnisse landen natürlich nicht im Repository, sondern in einem Secret-Store:
{
"db_name": "example_db",
"db_password": "{{ env.DB_PASSWORD }}",
"db_type": "postgres",
"developer_mode": false,
"encryption_key": "{{ env.ENC_KEY }}",
"host_name": "https://erp.example.com"
}
Fazit
Open Source ist kein Selbstzweck. Es ist eine Strategie, um Abhängigkeiten klein zu halten, Daten zu schützen und langfristig handlungsfähig zu bleiben. Wo es passt, ist es die ehrlichere Wahl. Wo es nicht passt, sagen wir das auch.
Wenn Sie überlegen, welche Plattform zu Ihrem Vorhaben passt — schreiben Sie uns. Wir nehmen uns 30 Minuten, hören zu, ordnen ein und sagen ehrlich, ob wir helfen können oder Sie an die richtige Adresse verweisen.
